Lob der Wahrheit

Lob der Wahrheit

Mit der Wahrheit ist es ja gar nicht so einfach. Bei „Julia und Romeo“ zum Beispiel. Da möchte der Mönch doch nur die Liebenden zusammenführen. Und doch sind am Ende die zwei berühmten Toten zu beklagen, die sich – in die Irre geführt durch seine Lüge – aus Verzweiflung selbst das Leben nehmen. Gute Absicht, verheerendes Resultat! Es lohnt sich also die Wahrheit zu sagen. Das war das Fazit des fesselnden Vortrags, den der Mediziner, Jurist und Publizist Dr. Dr. Rainer Erlinger am 19. Februar 2020 in der Aula des Ignaz-Günther-Gymnasiums hielt.
„Warum die Wahrheit sagen“ lautete der Titel des Abends und Rainer Erlinger begeisterte das zahlreich erschienene Publikum mit vielfältigen Beispielen aus Literatur, Geschichte und dem Alltagsleben. Schnell wurde dabei klar: Die Wahrheit ist oft nicht eindeutig für den Einzelnen erkennbar. Oft lügt man ganz ohne Absicht und ohne besseres Wissen. Und warum sollten wir eigentlich bei der Wahrheit bleiben, wo doch einige Politiker ungestraft offensichtliche Unwahrheiten verbreiten und wüste Verschwörungstheorien die gesellschaftliche Debatte beherrschen. Dennoch: Das stete Bemühen um Wahrhaftigkeit ist es letztendlich, das unsere Gesellschaft zusammenhält, das ihr Sicherheit und Stabilität gibt. Die Wahrheit lohnt sich eben doch!
Wie sehr Rainer Erlinger mit seinem Auftritt das Publikum in Bann zog, zeigten vor allem die zahlreichen Fragen, die anschließend gestellt wurden. Rainer Erlinger hat mehrere Bücher verfasst und ist vor allem bekannt durch seine Kolumne „Die Gewissensfrage“, die er jahrelang für das Magazin der Süddeutschen Zeitung verfasste. Immer wieder beschäftigt er sich mit philosophischen Fragen des Alltags.